Schulärztin gibt Tips zum Thema Hausaufgaben
Nicht mehr lange, und die „I-Dötzchen“ werden auch mit der Seite der Schule konfrontiert, die meist nicht sonderlich geschätzt wird – den Hausaufgaben. Wie die Eltern dazu beitragen können, daß ein Kind seine Hausaufgaben als Selbstverständlichkeit und nicht als Strafe empfindet, erklärt Dr. Reinhild Möller, Schulärztin und stellvertretende Gesundheitsamtsleiterin (in Mülheim).
Damit die Hausaufgaben die Schulfreude nicht trüben, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Das Kind braucht einen ruhigen Arbeitsplatz mit gutem Licht (Lichteinfall von links), einem möglichst verstellbaren Tisch und einem der Größe des Kindes entsprechenden Stuhl, außerdem eine schräge Schreibunterlage und eine Buchstütze. Damit sich das frischgebackene Schulkind gleich an selbständiges Arbeiten gewöhnt, sollten die Eltern nicht daneben sitzen, sondern nur in erreichbarer Nähe sein. Eine Kontrolle der Hausaufgaben ist - wenn alles fertig ist - aber „erlaubt“. Die beste Zeit für Hausaufgaben liegt im allgemeinen zwischen 15 und 18 Uhr. Im ersten Schuljahr sollte das Kind nicht länger als eine Stunde an den Hausaufgaben sitzen, auf gar keinen Fall den ganzen Nachmittag am Schreibtisch verbringen. Wenn die Eltern den Eindruck bekommen, daß ihr Kind zuviel Zeit für die Hausaufgaben braucht, rät Dr. Reinhild Möller zu einem Gespräch mit dem Lehrer.
Die Eltern sollten darauf achten, daß das Kind konzentriert bei der Sache ist und nicht trödelt oder sich ablenken läßt. Spiel und Bewegung, möglichst draußen an der frischen Luft, dürfen gerade bei Schulkindern als Ausgleich zum Stillsitzen schließlich nicht zu kurz kommen.
Dafür gibt es keinen Ersatz durch Fernsehen und eigentlich auch kein zu schlechtes Wetter. Feiertage und Ferien sollten eine „schulaufgabenfreie Zeit“ sein. Zwar werden wohl alle Eltern sich erfolgreiche Kinder wünschen und möglichst fehlerfreie Hausaufgaben als Grundvoraussetzung ansehen. Doch die Kinder haben ein „Recht“ auf Fehler! Druck und Zwang zu möglichst perfekten Leistungen bereiten das Versagen oft erst richtig vor. Und mit Druckmitteln kann das Leistungsverhalten der Kinder schon gar nicht verbessert werden.
Die Eltern können aber ganz wesentlich dazu beitragen, daß dem Kind die Schule auch Spaß macht: „Lassen Sie sich zum Beispiel ausführlich erzählen, was im Unterricht drangekommen ist“, schlägt die Ärztin vor: „Interesse, echte Teilnahme und Mitlernen sind der beste Ansporn.“
Die Eltern könnten sich zum Beispiel vorlesen oder beim Schilder- und Adressenschreiben, Zählen und Rechnen helfen lassen oder die in der Schule gemalten Bilder aufhängen.
Gibt es einmal Mißerfolge, sind Trost und Ermutigung zuallererst notwendig. Sehr wichtig sind auch die Kontakte zwischen Eltern und Lehrern, damit Hilfsmaßnahmen aufeinander abgestimmt werden können.
Mülheimer Woche 08.05.97