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Offener Brief an alle Eltern und Erziehungsberechtigten in Deutschland
Dies ist nur ein Auszug aus dem Brief. Die vollständige Version lesen Sie hier.
Dr. Ludwig Eckinger Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE)
Liebe Mütter, liebe Väter, sehr geehrte Elternvertreterinnen und Elternvertreter!
In den Tagen und Wochen seit dem Verbrechen am Erfurter Gutenberg-Gymnasium ist viel nachgedacht worden - nicht nur öffentlich. Ein solches Innehalten hatten wir alle bitter nötig. Und wir haben eine neue Erfahrung gemacht: Mit unserer großen Erschütterung haben wir die Schnelllebigkeit der Zeit gestoppt. Wenn es uns gelingt, mit dieser Erfahrung nicht zur bisherigen Tagesordnung zurückzukehren, sondern uns auf eine andere zu verständigen, so werden wir daraus Mut und Zuversicht schöpfen, die Kinder und Jugendlichen, die Schülerinnen und Schüler zu stärken.
Ich wende mich im Namen des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) an Sie als die wichtigsten Verbündeten von uns Lehrerinnen und Lehrern, Erzieherinnen und Erziehern. Schule ohne Eltern ist nicht machbar. Schule und Elternhaus gehören zusammen. Dass dies im Alltag nicht ohne Widersprüche und Konflikte zu verwirklichen ist, weiß ein jeder von uns. Und davor sollten wir auch nicht zurückschrecken, doch die Grundrichtung muss klar sein: einen Erziehungskonsens zwischen Schule und Elternhaus zu verabreden, der auf der gegenseitigen Akzeptanz, auf Achtung und Vertrauen basiert. Wir stehen in der Verantwortung, den notwendigen Diskurs in der Gesellschaft mit allen Beteiligten darüber zu führen, wie eine zukunftsfähige und vorbildliche Erziehung aussehen könnte. Schuldzuweisungen sind eher dazu angetan, Misstrauen keimen zu lassen. Das wäre der Anfang von Angst und Resignation und würde Hoffnung auf Zukunft ersticken.
Ich möchte Sie, liebe Eltern, zur Erziehung ermutigen, zu einer Erziehung, deren oberstes Ziel Mündigkeit heißt. Vertrauen Sie dabei auf Ihren Erfahrungsvorsprung. Machen Sie Ihre Kinder stark und zeigen Sie ihnen Ihre elterliche Liebe. Jedes Kind hat ein Recht auf Erziehung, ein Recht auf Anerkennung, ein Recht auf Bildung.
Erziehung erfordert Mut, Können und Zuwendung, sie erfordert besondere Verantwortung für den anderen, Einfühlung und Vorausschau im Hinblick auf die mögliche Wirkung. Erziehung ist keine Nebensache, auch wenn die gesellschaftlichen Verhältnisse dies manchmal suggerieren mögen. Erziehung basiert zwar auf dem Erfahrungsvorsprung des Erziehenden, doch gab es nie zuvor so viele offene Fragen wie heute. Vor allem deshalb muss der Erziehende dafür einstehen, was er tut. Erziehung ist insofern auch widersprüchlich, als ihre eigentlichen Ziele in Mündigkeit und Selbstverantwortung liegen, die durch äußere Einwirkungen nur bedingt erreichbar sind. Erziehung muss sich im Laufe des Prozesses von der Kindheit über die Jugend bis zum Erwachsensein letztlich überflüssig machen. Kinder und Jugendliche müssen in den Prozess der Erziehung altersgemäß eingebunden sein und Pflichten übernehmen.
Viele, die heute erziehen, von den Eltern über Erzieherinnen und Erzieher bis hin zu Lehrerinnen und Lehrern, sind unsicher geworden, ob sie überhaupt noch Gebote und Verbote aussprechen dürfen. Doch Kinder und Jugendliche benötigen Autorität, Leitbilder und Geborgenheit. Ja, ohne eine richtig verstandene Autorität gibt es weder Erziehung noch Menschwerdung. Eltern und auch wir Lehrerinnen und Lehrer müssen wieder den Mut haben, vorbildhafte und glaubwürdige Autorität in Anspruch zu nehmen. Das gelingt nur, wenn wir sie konsequent vorleben.
Schule kann besser werden, wenn Lehrerinnen und Lehrer und Eltern aufeinander zugehen und sich gemeinsam dem Erziehungsauftrag verpflichtet fühlen. Schule sollte Begegnungen und Anlässe zum Gespräch schaffen und Anregungen von den Eltern ernst nehmen.
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